
Preisverhandlungen im B2B: Ein bekanntes Problem, eine neue Lösung
Kennen Sie das Szenario? Ein Großkunde fragt ein Angebot an. Der Vertrieb schickt eine PDF per E-Mail. Der Kunde möchte einen Rabatt auf Position 3. Eine neue PDF entsteht. Dann kommt die Frage nach den Versandkosten. Wieder eine E-Mail. Irgendwo in diesem Hin und Her geht die ursprüngliche Anforderung verloren, und niemand weiß mehr, welche Version gerade gilt.
Genau dieses E-Mail-Pingpong ist der Alltag vieler mittelständischer Hersteller und Großhändler. Es kostet Zeit, erzeugt Fehler und verlangsamt den Weg vom Angebot zum Auftrag erheblich. Mit der Version 6.7.13.0, die Shopware am 5. August 2026 veröffentlicht hat, wurde das Shopware Quote Management der B2B Components grundlegend erweitert. Sechs neue Funktionen adressieren genau diese Schwachstellen im B2B-Angebotsprozess und schaffen die Grundlage für eine messbar effizientere Vertriebssteuerung.
Dieser Artikel erläutert, was sich konkret geändert hat, welchen Geschäftsnutzen jede Funktion bietet und warum die Angebotsverwaltung im B2B-Shop für Hersteller und Großhändler zu einem echten Vertriebswerkzeug werden kann.
Was ist das Shopware Quote Management?
Das Quote Management ist Bestandteil der Shopware B2B Components, einer Erweiterungsschicht, die speziell für komplexe B2B-Anforderungen entwickelt wurde. Wer noch mit der auslaufenden B2B Suite arbeitet, findet im Beitrag Shopware B2B Suite läuft aus: 4 Schritte, um Ihre Preislogik auf B2B Components zu retten den passenden Migrationsfahrplan. Das Quote Management ermöglicht Einkäufern, direkt im Shop Angebotsanfragen zu stellen, und erlaubt dem Vertrieb, diese Anfragen zu bearbeiten, anzupassen und freizugeben. Der gesamte B2B-Angebotsprozess läuft damit innerhalb der Shop-Plattform ab, anstatt über externe Kanäle wie E-Mail oder Telefon.
Das Ziel: weniger Medienbrüche, mehr Transparenz, schnellere Abschlüsse. Bis zur Version 6.7.13 fehlten jedoch einige Bausteine, die für professionelle Preisverhandlungen im B2B unverzichtbar sind. Diese Lücken werden nun geschlossen.
Die 6 neuen Funktionen im Überblick
1. Kommentare auf Produktebene
Bisher konnten Kommentare nur auf Angebotsebene hinterlassen werden. Ab Shopware 6.7.13 lassen sich Anmerkungen direkt einer einzelnen Produktposition zuordnen. Das bedeutet: Der Einkäufer kann zu Position 7 schreiben „Bitte alternative Verpackungseinheit prüfen", ohne dass diese Information im allgemeinen Kommentarfeld untergeht.
Für den Vertrieb ergibt sich dadurch eine deutlich klarere Arbeitsgrundlage. Missverständnisse, die bisher durch unspezifische Rückfragen entstanden, lassen sich so von Anfang an vermeiden. Das reduziert Rückfragen und beschleunigt die Bearbeitung.
2. Vollständiger Angebots- und Nachrichtenverlauf
Alle Statusänderungen, Nachrichten und Aktionen innerhalb eines Angebots werden jetzt in einer chronologischen Verlaufsansicht dokumentiert. Einkäufer und Vertrieb sehen auf einen Blick, wer wann was geändert oder kommentiert hat.
Das schafft Verbindlichkeit. Gerade bei längeren Verhandlungszyklen, wie sie im Industriebereich oder im technischen Großhandel üblich sind, ist diese Transparenz kein Komfortmerkmal, sondern eine operative Notwendigkeit. Streitigkeiten über Absprachen gehören damit der Vergangenheit an.
3. Versionsverfolgung von Angebotsdokumenten
Jede Änderung an einem Angebot erzeugt künftig eine neue, nachvollziehbare Version. Frühere Versionen bleiben abrufbar und können verglichen werden. Das klingt technisch, hat aber einen unmittelbaren Geschäftsnutzen: Beide Seiten wissen stets, auf welcher Grundlage verhandelt wird.
Das ist besonders relevant, wenn Angebote intern mehrere Freigabestufen durchlaufen. Ein Einkaufsleiter, der eine Woche später auf das Angebot zurückgreift, sieht exakt, welche Version gültig ist und welche Änderungen seitdem vorgenommen wurden.
4. Rabatte auf Produktebene
Bisher war es nur möglich, Rabatte auf das gesamte Angebot anzuwenden. Mit Shopware 6.7.13 können Rabatte nun gezielt auf einzelne Positionen gewährt werden. Das entspricht der Realität vieler Verhandlungen: Der Kunde erhält auf Artikel A einen Mengenrabatt, auf Artikel B gilt der Listenpreis.
Diese Granularität ist für die Preisverhandlung im B2B ein erheblicher Fortschritt. Vertriebsteams können flexibel auf Kundenwünsche reagieren, ohne das gesamte Angebot neu zu kalkulieren. Gleichzeitig bleibt die Kalkulation transparent und nachvollziehbar.
5. Sichtbarkeit der Versandkosten im Angebot
Ein häufiger Reibungspunkt in der Angebotskommunikation: Der Kunde akzeptiert den Produktpreis, ist dann aber überrascht von den Versandkosten, die erst im Checkout sichtbar werden. Ab sofort werden Versandkosten direkt im Angebot ausgewiesen.
Das mag wie ein Detail wirken. In der Praxis ist es ein Transparenzgewinn, der Vertrauen schafft und Kaufabbrüche reduziert. Wer seinen Kunden den Gesamtpreis von Anfang an zeigt, vermeidet Nachverhandlungen kurz vor dem Abschluss.
6. Überarbeitete Angebotsstatus mit optionalen Benachrichtigungen
Das Statusmodell wurde überarbeitet und um optionale E-Mail-Benachrichtigungen ergänzt. Vertrieb und Einkauf können nun konfigurieren, bei welchen Statusänderungen eine automatische Benachrichtigung ausgelöst wird, zum Beispiel wenn ein Angebot vom Kunden gegengezeichnet oder vom Vertrieb freigegeben wurde.
Das reduziert manuelle Nachfassaktionen und sorgt dafür, dass keine Anfrage im Tagesgeschäft untergeht. Gerade für Vertriebsteams, die viele Angebote parallel bearbeiten, ist das ein spürbarer Effizienzgewinn.
Warum diese Erweiterungen für Hersteller und Großhändler relevant sind
Stellen Sie sich vor, Ihr Vertriebsmitarbeiter betreut gleichzeitig zwanzig aktive Angebote. Ohne strukturierte Angebotsverwaltung bedeutet das: zwanzig E-Mail-Threads, zwanzig PDF-Versionen, zwanzig potenzielle Fehlerquellen. Mit dem erweiterten Shopware Quote Management laufen alle Informationen an einem Ort zusammen.
Das ist keine Frage der Bequemlichkeit. Es ist eine Frage der digitalen Vertriebseffizienz. Unternehmen, die ihre Angebotsprozesse digitalisieren und standardisieren, können messbar mehr Angebote in kürzerer Zeit bearbeiten, Fehler reduzieren und die Abschlussquote verbessern. Wie der Weg vom Anfrage-Chaos zur Automatik konkret aussieht, zeigt der Beitrag B2B-Angebotsprozess: 5 Schritte vom Anfrage-Chaos zur Automatik. Der Weg vom Angebot zum Auftrag wird kürzer, weil weniger Rückfragen entstehen und alle Beteiligten stets auf dem gleichen Stand sind.
Für mittelständische Hersteller und Großhändler, die bisher mit Telefon, E-Mail und Excel-Listen arbeiten, ist der Umstieg auf eine strukturierte Angebotsverwaltung im B2B-Shop ein konkreter Schritt zur Vertriebsoptimierung. Nicht als theoretisches Konzept, sondern als tägliche Arbeitserleichterung.
Häufige Fehler bei der Einführung von Quote Management
Der häufigste Fehler: Unternehmen implementieren das Tool, ohne die internen Prozesse anzupassen. Das Quote Management kann nur dann seine volle Wirkung entfalten, wenn Vertrieb und Einkauf gemeinsam definieren, welche Statusübergänge gelten, wer welche Kommentare hinterlegt und wie Rabatte intern freigegeben werden.
Ein weiterer Stolperstein ist die fehlende Schulung der Einkäufer auf Kundenseite. Wenn der Mehrwert des Systems nicht kommuniziert wird, nutzen Kunden weiterhin E-Mail und Telefon. Die Einführung sollte daher von einer kurzen Onboarding-Kommunikation begleitet werden.
Schließlich: Benachrichtigungen sollten gezielt konfiguriert werden. Zu viele automatische E-Mails führen dazu, dass wichtige Statusmeldungen im Posteingang untergehen. Weniger ist hier oft mehr.
Fazit und Ausblick
Die sechs neuen Funktionen in Shopware 6.7.13 sind kein Selbstzweck. Sie lösen konkrete Probleme, die in der täglichen Vertriebsarbeit von Herstellern und Großhändlern entstehen: unklare Kommunikation, fehlende Transparenz über Versandkosten, unflexible Rabattierung und mangelnde Nachvollziehbarkeit von Angebotsversionen.
Wer den B2B-Angebotsprozess heute noch überwiegend per E-Mail abwickelt, verliert Zeit und Übersicht. Das erweiterte Shopware Quote Management bietet die technische Grundlage, diesen Prozess zu strukturieren und messbar effizienter zu gestalten. Wer über Angebote hinaus auch konfigurierbare Produkte anbietet, findet im Beitrag CPQ im B2B: 49 % mehr Angebote durch Configure-Price-Quote den nächsten logischen Schritt. Die nächsten Shopware-Releases werden diesen Bereich voraussichtlich weiter ausbauen, da die Nachfrage nach professionellen B2B-Funktionen im Mittelstand kontinuierlich wächst.
Haben Sie bereits Erfahrungen mit dem Shopware Quote Management gemacht? Welche Funktion wäre für Ihren Vertriebsalltag am wertvollsten? Sprechen Sie uns gerne an.






