Destatis Onlinehandel September 2026: Was die Zahlen für Händler bedeuten
Am 2. November 2026 hat das Statistische Bundesamt die Pressemitteilung Nr. 383 zum Einzelhandel im September 2026 veröffentlicht. Für den Internet- und Versandhandel liegen vorläufige, kalender- und saisonbereinigte Werte vor. Parallel hat der Handelsverband Deutschland Anfang November seine Weihnachtsprognose bestätigt und im Jahresverlauf unterschiedliche Online-Prognosen genannt. In diesem Beitrag trenne ich die Bezugsgrößen und leite ab, was das für Shopware- und Shopify-Händler konkret heißen kann.
Die September-Zahlen von Destatis
Für den Internet- und Versandhandel im September 2026 gilt laut Destatis gegenüber August 2026 real minus 2,2 Prozent und nominal minus 2,0 Prozent. Gegenüber September 2025 stehen real plus 4,4 Prozent und nominal plus 5,7 Prozent.
Der gesamte Einzelhandel ohne Kfz lag im September gegenüber August real bei minus 2,0 Prozent und nominal bei minus 1,5 Prozent. Gegenüber September 2025 lag der Gesamtmarkt real bei minus 2,3 Prozent und nominal bei plus 1,2 Prozent. Der August 2026 wurde gegenüber Juli revidiert: real plus 1,2 Prozent statt vorläufig plus 1,3 Prozent, nominal plus 1,6 Prozent statt vorläufig plus 1,7 Prozent.
Lebensmittel fielen im Vormonatsvergleich real um 1,4 Prozent und nominal um 1,1 Prozent. Gegenüber September 2025 lagen Lebensmittel real bei minus 1,1 Prozent und nominal bei minus 0,5 Prozent. Nicht-Lebensmittel fielen gegenüber August real um 2,4 Prozent und nominal um 1,9 Prozent. Gegenüber September 2025 lagen sie real bei minus 2,8 Prozent und nominal bei plus 1,7 Prozent.
Online bleibt im Vorjahresvergleich klar im Plus, während der Gesamtmarkt real im Minus liegt. Destatis weist Online in der Pressemitteilung als eigenen Block aus, nicht nach Lebensmitteln und Nicht-Lebensmitteln innerhalb des Online-Segments aufgeteilt. Alle genannten Destatis-Werte sind vorläufig.
Ein kumuliertes Ergebnis Januar bis September 2026 für den Internet- und Versandhandel enthält die Pressemitteilung Nr. 383 im geprüften Fließtext nicht. Für Auswertung und Steuerung gilt deshalb: Die Pressemitteilung liefert Monatsvergleiche. Wer einen belastbaren Wert seit Jahresbeginn braucht, muss GENESIS-Online Tabelle 45212 am Veröffentlichungstag neu abrufen.
Methodik: neue Stichprobe und mögliche Revisionen
Zum Berichtsmonat September 2026 hat Destatis die Stichprobe der meldepflichtigen Einheiten ersetzt. Die neue Stichprobe wirkt rückwirkend ab Januar 2026 ergebniswirksam. Indexzeitreihen werden mit paarigen Veränderungsraten der neuen Stichprobe fortgeschrieben. Deshalb sind Revisionen bei Ergebnissen seit Januar 2026 möglich. Vorläufige Ergebnisse erscheinen typisch rund 30 Tage nach Monatsende. Ein Update in GENESIS folgt nach etwa 45 Tagen. Kurzzeitig können Pressemitteilung und GENESIS abweichen.
Frühere Pressemitteilungen des Jahres 2026 erwähnen zusätzlich eine umfassende methodische Weiterentwicklung zum Berichtsmonat Mai 2026. Für die Praxis heißt das: Die September-Zahlen sind ein aktueller Stand, kein endgültiger Jahresabschluss. Wer Monatswerte über 2026 hinweg vergleicht, sollte die revidierte GENESIS-Tabelle 45212 abwarten. Erstveröffentlichungen einzelner Monats-Pressemitteilungen eignen sich nicht als konsistente Endreihe.
Was Destatis unter Online versteht
Destatis erfasst den Internet- und Versandhandel über den Wirtschaftszweig WZ 47.91 (Versand- und Internet-Einzelhandel). Die Klasse gehört zur Gruppe 47.9, Einzelhandel nicht in Verkaufsräumen. Erfasst werden Versand- und Internet-Einzelhandel mit Auswahl über Anzeigen, Kataloge oder Webseiten und Bestellung per Post, Telefon oder Internet, mit physischer Lieferung oder Download.
Die Zuordnung folgt dem Schwerpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit. Online-Umsätze von Mehrkanal-Händlern mit Schwerpunkt Verkaufsräume fallen statistisch nicht in 47.91, sondern in ihren Verkaufsraums-Wirtschaftszweig.
Damit ist Destatis „Internet- und Versandhandel“ enger als viele Verbandsdefinitionen, die Online-Umsätze stationärer Händler mitzählen. Wer den eigenen Shop-Umsatz eins zu eins an Destatis 47.91 spiegelt und gleichzeitig einen großen stationären Schwerpunkt hat, vergleicht unterschiedliche Dinge.
HDE Weihnachten und Jahresprognose getrennt halten
Der HDE hat am 3. November 2026 die Weihnachtsprognose veröffentlicht. Für November und Dezember erwartet der Verband im Onlinehandel nominal plus 4,1 Prozent auf 23,1 Milliarden Euro. Für den gesamten Einzelhandel nennt er für November und Dezember nominal plus 2 Prozent und 129,2 Milliarden Euro. Die HRI-Umfrage bei über 2.000 Personen kommt auf geplante Geschenkeausgaben von 262 Euro je Person, nach 263 Euro im Vorjahr. Zusätzlich hat der HDE 300 Handelsunternehmen befragt.
Für das Gesamtjahr 2026 gibt es zwei HDE-Primärstände:
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Februar-Pressemitteilung vom 2. Februar 2026: Online nominal plus 4,4 Prozent, real plus 3,5 Prozent, Volumen 96,3 Milliarden Euro. Der Gesamt-Einzelhandel wird dort mit 697,4 Milliarden Euro genannt.
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Online-Monitor-Pressemitteilung vom 3. Juni 2026: Online 2026 nominal plus 4,3 Prozent zum Vorjahr. Das Monitor-PDF führt das Volumen ebenfalls bei 96,3 Milliarden Euro und nennt für 2025 laut PDF 92,3 Milliarden Euro netto ohne Umsatzsteuer.
Als aktuellen Prognosestand nenne ich 4,3 Prozent aus dem Juni-Monitor. Die 4,4 Prozent kennzeichne ich als Februar-Stand. Die Weihnachts-Pressemitteilung nennt keine neue Jahresprozentzahl. Sekundärberichte, die um den 3. November herum wieder 4,4 Prozent für das Gesamtjahr nennen, nutze ich nicht als alleinige Faktbasis.
Destatis und HDE nicht gleichsetzen
Destatis liefert eine amtliche Konjunkturstatistik mit Index und Veränderungsraten für WZ 47.91. Der HDE liefert Verbands- bzw. IFH-Marktvolumenprognosen für den B2C-Onlinehandel mit Neuware in Deutschland, inklusive Online-Umsätzen stationärer Händler, ohne Dienstleistungen und Streaming, netto ohne Umsatzsteuer. Die HDE-Weihnachts- und Jahreszahlen sind nominal formuliert. Die Jahresprognose vom Februar nennt zusätzlich einen realen Wert.
Deshalb ist Destatis plus 5,7 Prozent nominal im September-Vorjahresvergleich kein Widerspruch zu HDE Weihnachten plus 4,1 Prozent oder zur Jahresprognose um 4,3 Prozent. Monat, November/Dezember-Zeitraum und Kalenderjahr sind unterschiedliche Zeiträume auf unterschiedlichen Bezugsgrößen.
Was das für Shopware- und Shopify-Händler heißt
Die Einordnung für die Praxis:
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Der Vorjahresvergleich Online bleibt laut Destatis positiv. Digitale Nachfrage wirkt im September robuster als der reale Gesamtmarkt.
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Der Rückgang zum Vormonat nach der August-Erholung ist kein Anlass für Panik. Stichprobenwechsel und mögliche Revisionen gehören zur Lesart.
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Für die Weihnachtsplanung stützt der HDE Online als Wachstumstreiber mit plus 4,1 Prozent für November und Dezember.
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Beim Kennzahlenvergleich setzen Sie Ihre eigenen Online-Zahlen nicht eins zu eins mit Destatis 47.91 gleich, wenn ein großer Teil des Umsatzes über stationär klassifizierte Einheiten läuft.
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Nutzen Sie die Trennung der Quellen in der internen Steuerung: Destatis für den amtlichen Monatsblick, HDE Weihnachten für November und Dezember, HDE Monitor für die Jahresprognose.
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Für Shopware- und Shopify-Shops folgt daraus vor allem: Kapazitäten für die Hochsaison, Qualität von Produktdatenfeed und Kampagnen sowie die Abschlussquote im eigenen Kanal priorisieren, statt eine einzelne Destatis-Monatsrate überzuinterpretieren.
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Klären Sie intern, wie Sie Online-Umsatz definieren. Reiner Versandhandel, Marktplätze und Abholung im Geschäft fließen in Verbandszahlen anders ein als in WZ 47.91. Nur mit klarer eigener Definition lassen sich Plan und Ist sinnvoll vergleichen.
Wer die Plattformwahl für den Mittelstand einordnet, kann das E-Commerce-Ranking Mittelstand mit Shopware und Shopify ergänzend betrachten. Die Destatis- und HDE-Zahlen ersetzen keine Systementscheidung, sie helfen aber bei der Einordnung der Nachfrage.
Fazit
Destatis meldet für den Internet- und Versandhandel im September 2026 vorläufig real minus 2,2 Prozent zum Vormonat und real plus 4,4 Prozent zum Vorjahresmonat. Wegen der neuen Stichprobe sind rückwirkende Revisionen ab Januar 2026 möglich. Der HDE sieht Online im Weihnachtsgeschäft bei plus 4,1 Prozent. Als aktuellen Jahresprognosestand nenne ich 4,3 Prozent aus dem Juni-Monitor, die 4,4 Prozent als Februar-Stand. Destatis und HDE messen Unterschiedliches und sind nicht gleichzusetzen.
Quellen
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Destatis PM Nr. 383, 02.11.2026: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/11/PD26_383_45212.html
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HDE Presse Weihnachtsgeschäft, 03.11.2026: https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/15420-hde-geht-fuer-november-und-dezember-von-2-umsatzplus-aus-prognose-weihnachtsgeschaeft-im-einzelhandel-trotzt-der-krise
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HDE Presse Jahresprognose 2026, 02.02.2026: https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/15076-einzelhandel-vor-herausforderndem-jahr-forderung-nach-kostenentlastungen-an-politik
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HDE Presse Online-Monitor 2026, PM 15196, 03.06.2026: https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/15196-online-handel-als-wachstumstreiber-fuer-den-einzelhandel-marktplaetze-von-grosser-bedeutung-nutzer-werden-aelter
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HDE Online-Monitor 2026 (PDF, IFH Köln): https://einzelhandel.de/images/presse/Pressekonferenz/2026/onlinemonitor26/Online_Monitor_2026.pdf
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Destatis WZ 2008 Erläuterungen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Gueter-Wirtschaftsklassifikationen/Downloads/klassifikation-wz-2008-erlaeuterung.pdf?__blob=publicationFile&v=2
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WZ 2008 Klasse 47.91 Klassifikationstext: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Gueter-Wirtschaftsklassifikationen/Downloads/klassifikation-wz-2008-3100100089004-aktuell.pdf?__blob=publicationFile