Ersatzteil-Bestellung B2B: 4 Schritte zur Explosionszeichnung

Kategorie Preise & Prozesse | Commerce-Partner

Die Ersatzteil-Bestellung im B2B-Geschäft ist nach wie vor eine der fehleranfälligsten Prozesse im digitalen Vertrieb. Kunden bestellen die falsche Variante, Artikelnummern werden verwechselt, und der Innendienst verbringt Stunden damit, Rückfragen zu klären. Das kostet Zeit, Geld und Nerven auf beiden Seiten. Mit interaktiven Explosionszeichnungen lässt sich dieser Prozess deutlich vereinfachen. Seit dem April-Release 2026 (Version 6.7.9) bietet Shopware einen nativen Explosion Graphics Block, der genau diesen Anwendungsfall adressiert. Dieser Artikel zeigt in vier konkreten Schritten, wie Hersteller und Großhändler die Ersatzteil-Bestellung im B2B-Shop optimieren, Fehlbestellungen minimieren und gleichzeitig die Vertriebseffizienz steigern.

Was sind interaktive Explosionszeichnungen und warum sind sie im B2B relevant?

Eine Explosionszeichnung ist eine technische Darstellung, bei der ein Produkt in seine Einzelteile zerlegt wird. Jedes Bauteil wird räumlich getrennt dargestellt, sodass die Position und Funktion im Gesamtsystem erkennbar wird. In der klassischen technischen Dokumentation sind solche Zeichnungen Standard. Im digitalen Kontext werden sie interaktiv: Nutzer können Bauteile anklicken, Artikelnummern anzeigen lassen und direkt in den Warenkorb legen.

Für Hersteller von Maschinen, Anlagen oder komplexen Geräten ist das ein entscheidender Vorteil. Kunden bestellen nicht mehr anhand kryptischer Teilelisten, sondern navigieren visuell durch das Produkt. Das reduziert Fehler, beschleunigt den Bestellprozess und entlastet den Innendienst. Gleichzeitig sinken Retouren und Reklamationen, da die richtige Auswahl bereits im Vorfeld sichergestellt wird.

Der neue Explosionsgrafik-Block in Shopware ermöglicht es, solche interaktiven Darstellungen direkt im Shop einzubinden. Ohne zusätzliche Plugins, ohne externe Systeme. Das spart Integrationsaufwand und hält die technische Komplexität niedrig. Für mittelständische Hersteller und Großhändler, die ihre Vertriebseffizienz steigern wollen, ist das ein praktischer Hebel.

Schritt 1: Technische Voraussetzungen und Datenbasis schaffen

Bevor die erste Explosionszeichnung im Shop live geht, müssen die technischen und datentechnischen Grundlagen stimmen. Der Explosionsgrafik-Block in Shopware arbeitet mit strukturierten Daten, die klar definiert sein müssen.

Shopware-Version und System-Setup

Die Funktion ist ab Shopware 6.7.9 verfügbar. Unternehmen, die noch mit älteren Versionen arbeiten, sollten ein Update prüfen. Dabei ist zu beachten, dass ein Versionssprung auch Anpassungen in Themes, Plugins oder Schnittstellen erfordern kann. Eine saubere Testumgebung ist Pflicht, bevor Änderungen im Live-System ausgerollt werden.

Der Explosionsgrafik-Block selbst ist Teil des Standard-Funktionsumfangs. Es sind keine zusätzlichen Lizenzen oder kostenpflichtige Erweiterungen notwendig. Das senkt die Einstiegshürde erheblich.

Grafiken und CAD-Daten aufbereiten

Die Basis jeder Explosionszeichnung ist eine hochwertige Grafik. In der Regel liegen diese Daten bereits vor, entweder als CAD-Zeichnung oder als technische Illustration aus der Produktdokumentation. Wichtig ist, dass die Grafik in einem webfähigen Format vorliegt. PNG oder SVG sind die gängigen Formate, wobei SVG den Vorteil hat, dass es skalierbar und damit für verschiedene Bildschirmgrößen geeignet ist.

Die Grafik sollte klar strukturiert sein: Jedes Bauteil muss eindeutig erkennbar und räumlich getrennt dargestellt werden. Überlappungen oder zu dichte Darstellungen erschweren die spätere Zuordnung und führen zu Nutzerfrustration.

Artikeldaten im PIM oder ERP pflegen

Damit die Explosionszeichnung funktioniert, müssen die dargestellten Bauteile mit den entsprechenden Artikeln im Shop verknüpft werden. Das erfordert eine saubere Datenpflege. Jedes Ersatzteil benötigt eine eindeutige Artikelnummer, eine Bezeichnung, idealerweise eine kurze Beschreibung und natürlich Preis- und Verfügbarkeitsinformationen.

Wenn ein Product Information Management System (PIM) oder ein ERP-System im Einsatz ist, sollten diese Daten dort zentral gepflegt und per Schnittstelle an Shopware übergeben werden. Wie sich ERP, PIM und Shop sauber verbinden lassen, zeigt ein eigener Beitrag im Detail. Eine zentrale Datenhaltung stellt sicher, dass Änderungen nur an einer Stelle vorgenommen werden müssen und automatisch im Shop aktualisiert werden.

Schritt 2: Explosionszeichnung im Shopware-Backend konfigurieren

Sobald die Datenbasis steht, kann die Explosionszeichnung im Shopware-Backend angelegt werden. Der Explosion Graphics Block wird über den Experience Manager (Shopping Experiences) eingebunden.

Block anlegen und Grafik hochladen

Im Experience Manager lässt sich eine neue Shopping Experience erstellen oder eine bestehende bearbeiten. Der Explosionsgrafik-Block wird per Drag & Drop in die gewünschte Seite eingefügt. Anschließend wird die vorbereitete Grafik hochgeladen.

Shopware bietet eine Vorschau-Funktion, mit der sich die Darstellung direkt im Backend prüfen lässt. Das erleichtert die Qualitätskontrolle und vermeidet, dass fehlerhafte Inhalte live gehen.

Hotspots setzen und Artikel verknüpfen

Der eigentliche Mehrwert entsteht durch die Verknüpfung der Bauteile mit den Artikeln im Shop. Dazu werden sogenannte Hotspots auf der Grafik platziert. Ein Hotspot ist ein klickbarer Bereich, der einem bestimmten Bauteil zugeordnet ist.

Für jeden Hotspot wird die entsprechende Artikelnummer hinterlegt. Shopware zieht dann automatisch die Produktinformationen aus dem System: Bezeichnung, Preis, Verfügbarkeit, Produktbild. Nutzer sehen beim Klick auf einen Hotspot alle relevanten Informationen und können das Teil direkt in den Warenkorb legen.

Die Positionierung der Hotspots sollte präzise erfolgen. Zu große oder ungenaue Bereiche führen dazu, dass Nutzer das falsche Teil auswählen. Zu kleine Hotspots sind schwer zu treffen, insbesondere auf mobilen Geräten. Ein ausgewogenes Verhältnis ist entscheidend.

Mobile Optimierung prüfen

Da viele Servicetechniker oder Einkäufer auch mobil auf den Shop zugreifen, muss die Explosionszeichnung auf Smartphones und Tablets funktionieren. Shopware bietet eine responsive Darstellung, aber die Grafik und die Hotspot-Größen sollten dennoch getestet werden.

Eine gute Praxis ist es, die Ansicht auf verschiedenen Geräten zu testen und gegebenenfalls alternative Darstellungen oder vereinfachte Grafiken für kleinere Bildschirme anzubieten.

Schritt 3: Integration in die Customer Journey und Vertriebsprozesse

Die technische Umsetzung ist nur die halbe Miete. Entscheidend ist, wie die Explosionszeichnung in die Customer Journey eingebettet wird und welche Vertriebsprozesse dadurch optimiert werden.

Platzierung im Shop: Wo macht die Explosionszeichnung Sinn?

Nicht jedes Produkt benötigt eine Explosionszeichnung. Sinnvoll ist sie vor allem bei komplexen Maschinen, Anlagen oder Geräten, bei denen Kunden regelmäßig Ersatzteile nachbestellen. Typische Anwendungsfälle sind:

  • Industriemaschinen und Produktionsanlagen

  • Landmaschinen und Baumaschinen

  • HVAC-Systeme (Heizung, Lüftung, Klima)

  • Elektrowerkzeuge und Gartengeräte

  • Medizintechnik und Laborgeräte

Die Explosionszeichnung sollte prominent auf der Produktdetailseite platziert werden, idealerweise als eigener Tab oder als ausklappbarer Bereich. Eine zusätzliche Verlinkung aus dem Hauptmenü oder aus der Servicesektion kann die Auffindbarkeit erhöhen.

Verknüpfung mit Ersatzteilkatalog und Konfigurator

Viele Hersteller bieten neben Explosionszeichnungen auch klassische Ersatzteilkataloge an. Beide Ansätze können sich ergänzen. Während die Explosionszeichnung visuell orientierte Nutzer anspricht, bevorzugen andere eine Listenansicht mit Filteroptionen.

Eine intelligente Lösung ist die Kombination: Die Explosionszeichnung als Einstieg, mit der Möglichkeit, zur Listenansicht zu wechseln. Oder umgekehrt: In der Liste wird auf die Explosionszeichnung verlinkt, um die Position eines Teils zu verdeutlichen.

Wenn ein Konfigurator für Ersatzteile im Einsatz ist, kann die Explosionszeichnung als visueller Layer darüber gelegt werden. Nutzer wählen zunächst das Modell und die Variante aus, und die passende Explosionszeichnung wird dynamisch geladen.

Entlastung des Innendienstes durch Self-Service

Ein zentrales Ziel der Ersatzteil-Bestellung im B2B-Shop ist die Entlastung des Innendienstes. Kunden sollen in der Lage sein, selbstständig das richtige Teil zu finden und zu bestellen, ohne Rückfragen stellen zu müssen.

Die Explosionszeichnung leistet genau das: Sie macht die Auswahl intuitiv und reduziert Unsicherheiten. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der Fehlbestellungen, was wiederum weniger Retouren und Reklamationen bedeutet.

Unternehmen, die diesen Ansatz konsequent umsetzen, berichten von einer spürbaren Reduktion der Innendienst-Anfragen. Das setzt Kapazitäten frei, die für höherwertige Aufgaben genutzt werden können, etwa Beratung, Neukundenakquise oder strategische Projekte.

Schritt 4: Datenanalyse und kontinuierliche Optimierung

Die Einführung interaktiver Explosionszeichnungen ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Nur durch kontinuierliche Analyse und Optimierung lässt sich das volle Potenzial ausschöpfen.

KPIs definieren und tracken

Welche Kennzahlen sind relevant, um den Erfolg der Explosionszeichnung zu messen? Hier eine Auswahl typischer KPIs:

  • Nutzungsrate: Wie viele Nutzer klicken auf die Explosionszeichnung?

  • Conversion Rate: Wie viele Nutzer, die die Explosionszeichnung nutzen, legen tatsächlich ein Teil in den Warenkorb?

  • Durchschnittlicher Warenkorbwert: Kaufen Nutzer mehr Teile, wenn sie die Explosionszeichnung nutzen?

  • Retourenquote: Sinkt die Anzahl der Retouren bei Ersatzteilen?

  • Support-Anfragen: Reduziert sich die Anzahl der Rückfragen beim Innendienst?

Diese Daten lassen sich über Shopware Analytics, Google Analytics oder spezialisierte BI-Tools erfassen. Wichtig ist, dass die Messung von Anfang an mitgedacht wird und nicht erst nachträglich aufgesetzt werden muss.

A/B-Tests und iterative Verbesserungen

Nicht jede Explosionszeichnung funktioniert auf Anhieb optimal. Unterschiedliche Darstellungen, Hotspot-Größen oder Platzierungen können unterschiedliche Ergebnisse liefern. A/B-Tests helfen dabei, die beste Variante zu identifizieren.

Beispiele für Testszenarien:

  • Grafik mit vielen Details vs. vereinfachte Darstellung

  • Große, gut sichtbare Hotspots vs. kleinere, präzisere Bereiche

  • Platzierung als Tab vs. prominente Einbindung auf der Produktseite

  • Zusätzliche Informationen im Tooltip vs. minimale Anzeige

Die Ergebnisse solcher Tests liefern wertvolle Erkenntnisse, die nicht nur für die Explosionszeichnung, sondern für die gesamte Vertriebsoptimierung genutzt werden können.

Feedback der Nutzer einholen

Zahlen sind wichtig, aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte. Direktes Feedback von Nutzern kann aufzeigen, wo Schwachstellen liegen oder welche Funktionen fehlen.

Einfache Methoden sind:

  • Feedback-Button direkt auf der Explosionszeichnung

  • Kurze Umfrage nach dem Kauf („Wie hilfreich war die Explosionszeichnung?")

  • Auswertung von Support-Tickets und Kundenanfragen

Dieses qualitative Feedback ergänzt die quantitativen Daten und ermöglicht eine ganzheitliche Optimierung.

Fehler vermeiden: Typische Stolperfallen bei der Umsetzung

Auch wenn die technische Umsetzung in Shopware vergleichsweise einfach ist, gibt es einige Fallstricke, die den Erfolg gefährden können.

Unvollständige oder fehlerhafte Artikeldaten

Wenn die hinterlegten Artikelnummern nicht mit den tatsächlichen Produkten im Shop übereinstimmen, führt das zu Frustration und Abbrüchen. Eine saubere Datenpflege ist Grundvoraussetzung. Regelmäßige Datenabgleiche zwischen ERP, PIM und Shop sind notwendig, um Konsistenz sicherzustellen.

Zu komplexe oder überladene Grafiken

Eine Explosionszeichnung mit hunderten von Bauteilen kann überwältigend wirken. Besser ist es, komplexe Produkte in mehrere Ansichten oder Ebenen zu unterteilen. Beispielsweise eine Übersicht für Hauptbaugruppen und detaillierte Explosionszeichnungen für einzelne Module.

Fehlende mobile Optimierung

Wenn die Explosionszeichnung auf dem Desktop perfekt funktioniert, aber auf dem Smartphone unbenutzbar ist, geht ein großer Teil der Zielgruppe verloren. Mobile Optimierung ist kein Nice-to-have, sondern Pflicht.

Keine Verknüpfung mit anderen Vertriebskanälen

Die Explosionszeichnung sollte nicht isoliert im Shop stehen. Eine Verknüpfung mit dem Kundenportal, der technischen Dokumentation oder dem After-Sales-Service verstärkt die Wirkung. Kunden schätzen es, wenn alle Informationen konsistent und zentral verfügbar sind.

Praxisbeispiel: Wie ein Maschinenbauer die Ersatzteil-Bestellung optimiert hat

Ein mittelständischer Hersteller von Verpackungsmaschinen hat im Frühjahr 2026 interaktive Explosionszeichnungen in seinen B2B-Shop integriert. Zuvor liefen viele Ersatzteilbestellungen über den Innendienst, da Kunden unsicher waren, welches Teil sie benötigen.

Nach der Einführung der Explosionszeichnungen stieg der Anteil der Self-Service-Bestellungen deutlich an. Die Retourenquote bei Ersatzteilen sank spürbar, und die durchschnittliche Bearbeitungszeit pro Bestellung reduzierte sich merklich.

Der Innendienst wurde entlastet und konnte sich stärker auf Beratung und Neukundengewinnung konzentrieren. Die Investition in die Aufbereitung der Grafiken und die Integration amortisierte sich innerhalb weniger Monate.

Ausblick: Weitere Entwicklungen und Potenziale

Die Integration interaktiver Explosionszeichnungen ist ein solider erster Schritt. Doch die Möglichkeiten gehen weit darüber hinaus.

Augmented Reality (AR) und 3D-Modelle

Einige Hersteller experimentieren bereits mit AR-Anwendungen, bei denen Kunden ihre Maschine per Smartphone-Kamera scannen und die benötigten Ersatzteile direkt im Bild angezeigt bekommen. Solche Lösungen sind technisch anspruchsvoller, bieten aber ein noch intuitiveres Nutzererlebnis.

Auch 3D-Modelle, die sich drehen und aus verschiedenen Perspektiven betrachten lassen, können eine sinnvolle Ergänzung sein. Shopware und andere Plattformen arbeiten an nativen Lösungen, die solche Features ohne aufwändige Entwicklung ermöglichen.

KI-gestützte Ersatzteilempfehlungen

Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, die richtige Ersatzteilauswahl weiter zu vereinfachen. Basierend auf Maschinendaten, Nutzungshistorie oder typischen Verschleißmustern können Systeme proaktiv Ersatzteile vorschlagen, bevor ein Ausfall eintritt.

Solche Ansätze erfordern eine tiefere Integration von IoT-Daten und Predictive Maintenance, sind aber für Hersteller mit vernetzten Maschinen ein logischer nächster Schritt.

Integration in Service-Plattformen

Die Explosionszeichnung kann auch in umfassendere Service-Plattformen eingebunden werden, die neben Ersatzteilbestellung auch Wartungspläne, Anleitungen, Schulungsvideos und direkten Support bieten. Eine solche 360-Grad-Lösung erhöht die Kundenbindung und schafft zusätzliche Umsatzpotenziale.

Fazit: Ersatzteil-Bestellung effizienter gestalten

Interaktive Explosionszeichnungen sind ein praktisches Werkzeug, um die Ersatzteil-Bestellung im B2B-Shop zu vereinfachen. Sie reduzieren Fehlbestellungen, entlasten den Innendienst und steigern die Vertriebseffizienz. Mit dem nativen Explosion Graphics Block in Shopware 6.7.9 ist die technische Umsetzung deutlich einfacher geworden.

Die vier Schritte – technische Voraussetzungen schaffen, im Backend konfigurieren, in die Customer Journey integrieren und kontinuierlich optimieren – bilden einen klaren Fahrplan. Unternehmen, die diesen Ansatz konsequent umsetzen, profitieren von messbaren Verbesserungen in Conversion, Kundenzufriedenheit und Prozesseffizienz.

Wer den Einstieg plant, sollte mit einem überschaubaren Pilotprojekt starten: ein Produkt, eine Maschine, eine Explosionszeichnung. Die Learnings aus diesem ersten Schritt lassen sich dann skalieren und auf weitere Produktbereiche übertragen.

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Marcel Woywodt

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